Von Sebastian Schulz

Seine eigene Spiritualität und Religiosität identifizieren. Für Christen scheint das ein Grund zu sein, in die Kirche zu gehen oder das Gespräch mit Geistlichen zu suchen. Im Fall von Muslimen mag es das Studium des Qur’an und das Gebet sein und im Falle von jüdischen Mitbürgern die Thora. Dabei scheinen jegliche Meinungen über den eigenen Stand zur eigenen Religion festzustehen. Bei so manchem Glaubensangehörigen entsteht sogar eine weit grundlegenderes Verständnis im Umgang mit der eigenen Religion. In manchen Fällen mag es sogar soweit gehen, dass sich innerhalb der eigenen Studien ein sakraler Wahrheitsanspruch herausfiltern lässt.

Das Problem bei der Wahrheit ist wie so oft der Unterschied zwischen erkennbarer Wahrheit und einer übergeordneten Wahrheit. Theologisch gesprochen „Veritas capta“ und „Veritas ultima“. Den Anreiz jene Wahrheitsansprüche zu finden, scheint es in allen Religionen zu geben. Und in manchen Fällen reicht schon die persönliche „Veritas capta“ als Begründung, um die eigene Religion oder Konfession zur alleinigen Wahrheit zu erklären. Das Ergebnis ist ein mangelndes Verständnis für Parallelen in anderen Religionen.

Das Stichwort in diesem Fall ist ein vermehrtes Scheitern eines interreligiösen Dialogs. Doch warum? Ist es der alleinige Anspruch mancher Gläubiger ihren Glauben als den „richtigen“ Glauben durchzusetzen?

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Der Katholische Theologe Prof. Dr. Klaus von Stosch versuchte im Zuge der Zusammenarbeit zwischen dem Katholischen Bildungswerk, dem Christlich-Islamischen Gesprächskreis Solingen und der ansässigen Volkshochschule auf die Voraussetzungen eines interreligiösen Dialogs hinzuweisen. Die Kritik an einem möglichen Scheitern des Dialoges sieht Dr. Stosch unter anderem in einer fast absoluten Denkweise, welche die eigene Religion zur Selbstverständlichkeit macht. Jedoch ohne zu bedenken, dass Alternativen immer Teil der Religionsgeschichte waren. Tatsächlich geht Dr. Stosch sogar noch einen Schritt weiter, denn laut seiner Aussage sei gerade der Dialog zwischen den Religionen nicht einfach ein Lerneffekt, sondern auch verbunden mit Erkenntnis über den eigenen Glauben.

Die Erfahrungen des dozierenden Theologen zeigen, dass gerade die vielen Formen der vergleichenden Theologie nicht zu persönlichen Zweifeln, sondern zur neuen Einsicht führen können, was durch den regen Austausch zwischen Studenten und Doktoranden verschiedenster Konfessionen belegt wird. Laut Dr. Stosch ist es ein „Dialog des ‚Sich-Aussetzens’“: „Ich zeige mich mit dem, was mir am wichtigsten ist und finde die Gestalt der Freundschaft“.

Die Zusage sich auf diese Art des Austausches einzulassen, ist die Grundlage eines parallel verlaufenden Verständnisses. Und ein Katholischer Theologe wäre kein Theologe, wenn nicht sogar ein biblisches Beispiel vorhanden wäre. Selbst die Bergpredigt wird hier als Hinweis heran gezogen. Denn wie im biblischen Vorbild werden alle Zuhörer zunächst selig gesprochen, um sich so auf einer Ebene begegnen zu können. Der persönliche Hintergrund betreffend Glaube oder Gesinnung ist zunächst irrelevant. Letztlich kann der Anspruch nicht sein, den eigenen religiösen Anspruch durchzusetzen, sondern die Schönheit der Spiritualität auch „im Fremden zu finden“. Das Fazit von Dr. Stosch bleibt deswegen simpel: „Empathie, Demut im Erkennen der Wahrheit, Vertrauen ins Verstehen und Berührung durch Gastfreundschaft“. Denn wenn die Parallelen sich letztlich doch einmal kreuzen, dann haben wir ihn: den interreligiösen Dialog.

Weitere Veranstaltungen des Katholischen Bildungswerkes Wuppertal/Solingen/Remscheid finden Sie im aktuellen Programm, das sowohl gedruckt als auch online einzusehen ist.

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