Von Sebastian Schulz

Dr. Klaus-Rüdiger Mai und Prof. Dr. Ernst-Andreas Ziegler (v.li.).

2017 – Lutherjahr. Die Reformation ist bis heute ein prägender Faktor in der Vielfalt der Konfessionen. Zugleich ist allerdings auch 500 Jahre danach eine Einordnung der Reformation in den historischen Kontext nötig. Wo waren die Anfänge? Wieso verbreiteten sich Luthers Thesen so schnell und in manchen Teilen des damaligen Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation sehr erfolgreich? Gerade diese Frage offenbart den eher technisch und pragmatisch anmutenden Aspekt der Reformation: das Wort in gedruckter Form.

Es war Mitte des 15. Jahrhunderts, als ein Mainzer Patriziersohn begann, ein ganzes System von Werkzeugen und Hilfsmitteln zu erfinden, die einen Druck von Texten zuließ. Mit Johannes Gutenberg trat jedoch vor allem ein Geschäftsmann, weniger ein frommer Mensch auf den Plan.

Diesen Mann stellte Dr. Klaus-Rüdiger Mai am 1. Juni 2017 mit seiner Biografie „Gutenberg. Der Mann, der die Welt veränderte“ in der Buchhandlung v. Mackensen vor. Gutenberg wollte „ganz gerne seriell produzieren“. „Er hat sich als Unternehmer gefühlt und hat als Unternehmer die Vorstellung gehabt, nicht wie ein Handwerker zu arbeiten, sondern wie gern ein Unternehmer arbeitet, indem er sagt: ‚ich bringe ein Produkt auf den Markt und dieses Produkt soll auf dem Markt reüssieren’“, erklärt Dr. Mai. Der Autor befasste sich intensiv mit der historischen Persönlichkeit. Tatsächlich ist Johannes Gutenberg als Person schwer fassbar, da die Quellenlage viele Lücken aufweist. Im Klartext: Vieles über Gutenbergs Leben muss aus dem Kontext erschlossen werden. Es ist demnach schwer, den Lebensweg des Mannes nach zu empfinden, der mit beweglichen Lettern eine Veränderung in der Darstellung und Wiedergabe von Informationen in der Weltgeschichte auslöste. Und vermutlich ist Gutenberg dies ebenso wenig bewusst gewesen.

Auch sein wahrscheinlich bekanntester Erfolg, der Druck von Bibeln, ist aus heutiger Sicht vor allem als Geschäftsmodell zu betrachten. Bei der Frage der Druckentwicklung jedoch spricht Dr. Klaus-Rüdiger Mai von einem sehr gebildeten Kreis von Mitarbeitern Gutenbergs. Denn sowohl technische Umsetzung als auch die Zeichen der Zeit sehen zu können, sprechen für den Innovationsdrang im späten Mittelalter. Der Aufbau von Verwaltungen in Städten und auf Regierungsebenen machte eine Vervielfältigung von Gesetzestexten und ähnlicher Dokumente zunehmend nötig.

Gutenberg selbst schuf auf diesem zunächst noch sehr pragmatischen Weg eine Grundlage für die Verbreitung von Wissen und Information; so mancher mag da von der Basis der modernen Informationsgesellschaft sprechen.

Doch diese Erkenntnis folgte erst mit den Jahren. Selbst Luther dürfte laut Dr. Klaus-Rüdiger Mai kaum einen großen Gedanken an Gutenberg gerichtet haben. Aber im Ergebnis ist Gutenbergs Druckverfahren in vielerlei Hinsicht mit dafür verantwortlich, dass sich in den folgenden Jahrhunderten Dokumente und Thesen schnell verbreiten konnten.

Wenn man Gutenberg in der nachträglichen Betrachtung beurteilt, kann diese Person in ihrem Wirken als wichtiger Teil der wissenschaftlichen und kulturellen Verbreitung gesehen werden. Im Kontext seiner Zeit bleibt Gutenberg ein Geschäftsmann mit Ambitionen. Die Tragweite seines eigenen Vermächtnisses dürfte er selbst nicht erahnt haben, obwohl er schon bald von Humanisten gefeiert wurde.

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