Von sebastian Schulz

Eine Playstation oder Tablet für das Kind zum Geburtstag? Warum nicht? Pädagogen schlagen jedoch Alarm, denn chemisch und neuronal schlagen Eltern für ihre Kinder vielleicht einen modernen Weg ein, jedoch streiten Forscher und Beobachter über langfristige Fehlentwicklungen.

Seit 20 Jahren finden die Septembergespräche statt. Etwa einen Monat vor Beginn der ebenfalls in Remscheid stattfindenden Lüttringhauser Gespräche endete die Veranstaltungsreihe noch einmal mit einem pädagogischen Denkanstoß in der heutigen, digitalen Welt.

Die Klosterkirche in der Lenneper Altstadt. Wie so oft fanden sich die Zuhörer im Veranstaltungssaal der Einrichtung ein. Bei dem Titel „Zwischen zwei Welten – Kinder im medialen Zeitalter“ war es nicht überraschend, viele Pädagogen anzutreffen.

Vortragende des Abends waren die Medienpädagogen und Filmemacher Astrid und Wilfried Brüning. Eine genaue Einordnung des Veranstaltungskonzeptes schien zunächst nicht sicher zu sein. Denn zu Anfang schwankte das Konzept zwischen One-Man-Show und Anekdoten zu den eigenen Erfahrungen als Eltern. Auch die pädagogischen Elemente schienen zunächst einige Fragen aufzuwerfen, allerdings mehr wegen einer bewusst auf Entertainment ausgerichteten Vortragsweise mit leicht naivem Charakter.

Umschwung brachte jedoch vor allem eine mit der Zeit immer intensivere Auseinandersetzung mit der neuronalen Prägung von Kindern im digitalen Zeitalter. „Digitale Entwicklung ist unaufhaltbar“ erklärt Wilfried Brüning. Deswegen ginge es nicht darum, die digitale Bildung generell zu verteufeln, sondern mit ihr umgehen zu lernen. Sehr eingängig und teils mit Einbezug der Zuhörerschaft bauten die Referenten einen Zusammenhang zwischen Dopaminhaushalt bei Kindern und neuronalen Lerneffekten bei ausgeprägter Nutzung gewisser Medien oder elektronischen Unterhaltungsgeräten auf. Denn die Vortragenden sprechen der übermäßigen Nutzung von Konsolen, sozialen Netzwerken und ähnlichen Betätigungen eine derartig hohe Ausschüttung von Dopamin zu, die für gerade Heranwachsende ein unnatürlich hohes Ausmaß an Euphorie ohne Lerneffekt auslöst. Die Erklärung ist, dass Dopamin als Transmitter im Nervensystem zwar ein natürlicher Faktor im menschlichen System ist, jedoch durch bestimmte mediale oder digitale Verfälschung im Übermaß ausgeschüttet wird, ohne einen damit normalerweise verbundenen Erfolg zu verbuchen. Kurz gesagt: Die ausgeprägte Nutzung bestimmter Gerätschaften im digitalen Zeitalter gaukelt Heranwachsenden einen nicht existierenden Erfolg oder eine Belohnung vor, die früher durch Bewegung, kreative Arbeiten und anderen Aktivitäten vermittelt wurden. Dass sich ein Kind oder ein Jugendlicher in so einem Szenario eine vermeintliche Anerkennung eher aus dem Netz oder einem Computerspiel holt, ist deswegen nicht abwegig.

Warum dies gerade in jungen Jahren einen derartigen Stellenwert besitzt, demonstrierten Astrid und Wilfried Brüning mit der vermeintlich simplen Beschreibung eines Objektes und der neuronalen Wahrnehmung durch die Zuhörenden. Demnach war ein vollständiges Verständnis erst durch mehrere Schritte der sinnlichen und gedanklichen Wahrnehmung möglich. Das Ergebnis: ein Lerneffekt, Euphorie und demnach Dopamin. Beide sprechen einem Großteil digitaler Medien die Funktion ab, mehr als einzelne mediale Euphorie-Momente zu verschaffen. Resultat ist ein Dopaminüberschuss mit wenig Lerneffekt und dennoch prägnanter Befriedigung.

Als Teil der Remscheider Septembergespräche bildete die Exkursion einen Einblick in die Betrachtungen der sich wandelnden medialen und digitalen Welt. Ab dem 7. November greift die Veranstaltungsreihe der Lüttringhauser Gespräche ähnliche Sachverhalte auf und beschäftigt sich mit Emotionalität im Alltag, Politik und eskalierenden Konflikten. Nähere Information gibt es im aktuellen Programm des Katholischen Bildungswerkes Wuppertal Solingen Remscheid und auch online.

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