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von Katia Marcucci

Frauen sind bekanntlich das schwächere Geschlecht und wurden zu Zeiten nach Christi als Begründung des Sündenfalls genutzt. Doch war das Christentum wirklich so frauenfeindlich? Haben Frauen eine so schlechte Position? Maria Magdalena spielt in diesem Beitrag eine wichtige Rolle, denn diese oft fehlinterpretierte Dame sagt einiges über das weibliche Geschlecht aus.

Maria von Magdala, den meisten bekannt als Maria Magdalena, wurde fälschlicherweise zur Sünderin gestempelt. Anhand der Evangelien ist es jedoch möglich, das eigentliche Wesen dieser so oft missinterpretierten Frau und die Wichtigkeit und Stärke des vermeintlich schwächeren Geschlechts zu erkunden. Eine Thematik die wunderbar in die heutige Zeit passt. So wird mehrere Male deutlich, dass Jesus meist von etlichen Frauen begleitet wird, darunter oftmals Maria Magdalena, die zum einen immer als erste erwähnt wird und sich zudem als eine freie Frau entpuppt, die nicht im Zusammenhang mit einem Mann oder einer Familie erwähnt wird. Sie wird anhand des Ortes Magdala identifiziert, was sie als besondere und eigenständige Person hervorhebt. Lukas beschreibt in seinem Evangelium, dass Jesus sie von sieben Teufeln befreite, was bedeuten sollte, dass sie von sieben Krankheiten befreit wurde. Damals stellten sich die Menschen vor, dass erkrankte Personen von Geistern und Teufel befallen waren. Doch leider wurde eben diese Stelle fehlinterpretiert, denn die sieben Teufel wurden als sieben Sünden aufgenommen. Dabei gibt es einen sehr großen Unterschied: Sünden werden absichtlich begangen, Krankheiten befallen einen unabhängig von eigenen Taten.

 Die Sünderin die die Füße Jesu wusch

Eine weitere fehlerhafte Verbindung besteht in der Tatsache, sie habe Jesus Füße mit ihren Tränen gewaschen und mit ihren Haaren abgetrocknet. Tatsächlich erwähnte Lukas in seinem Evangelium eine arme, als Sünderin bekannte, jedoch namenlose Frau, die eben das für Jesus tat. Andererseits erwähnte Johannes in seinem Evangelium eine andere Maria, die zunächst Jesus Füße mit kostbarer Nardensalbe salbte und sie dann mit ihren Haaren trocknete. So entstanden die Verbindung mit Maria Magdalena und die erneute Fehlinterpretation, sie sei eine Sünderin gewesen. Die verschiedenen Frauen sorgten letztlich dafür, dass Maria Magdalena die Rolle der Sünderin zugeschoben wurde und somit meist negativ assoziiert wird.

Doch eigentlich war Maria Magdalena eine starke Frau, ebenso wie alle Frauen in der Bibel. So erwähnen Markus und Matthäus in ihren Evangelien, dass Maria Magdalena, an erster Stelle, und viele andere Frauen Jesus bei seinem schlimmen Leidensweg beistanden. Die Männer, seine Jünger, hingegen werden nicht erwähnt, denn die Angst davor, selber bezichtigt zu werden, war zu groß. So wird hier eine unglaubliche Stärke der Frauen deutlich: Sie weichen nicht von der Seite Jesu, auch nicht in den schlimmsten Momenten. Zudem erwähnt Markus, dass nicht die Männer, sondern Maria Magdalena und eine andere Maria, die Mutter Jesu, die Totenwache halten und ihn somit selbst nach seinem Tode nicht verlassen. Traditionell galt diese Aufgabe den Männern. Zudem salbte Maria Magdalena den Leichnam Jesu, was zu einer weiteren Legende führte, nämlich dass Maria Magdalena und Jesus verheiratet waren, schließlich durften nur Mütter oder Ehefrauen dieser Aufgabe nachkommen. Doch der wichtigste Punkt ist, dass Maria Magdalena die erste Person ist, die den auferstandenen Jesus sieht und die frohe Botschaft weiterreichen soll. Dieser Punkt macht sie zur apostola apostolorum, die Apostelin der Apostel. Sie war tatsächlich die erste Apostelin überhaupt.

Macht bringt Veränderung

Die Männer spielen in den Evangelien sehr wichtige Rollen, doch sie verschwinden im wichtigsten und härtesten Moment: Zum Tode ihres Meisters. Tatsächlich war Maria Magdalena, als die Schriften verfasst wurden, eine Frau im Gefolge Jesu. Es gab sogar mehrere Evangelien, darunter auch eines der Maria Magdalena, doch die verschwanden. Ab dem 4. Jahrhundert bildete sich allmählich eine Kirche, wo die Männer an oberster Stelle standen. So wurden die Schriften von Männern verändert, die diese als Machtinstrument nutzten und somit für eigene Zwecke umgestalteten. Da Maria Magdalena nicht gänzlich aus den Schriften entfernt werden konnte, wurde sie zuletzt als Sünderin dargestellt.

Maria Magdalena ist eine wichtige Frau, die aufzeigt, welcher Mut und welche Kraft auch in dem vermeintlich schwachen Geschlecht steckt. Sie stellt eine Ikone dar und zeigt, wie aus Machtgründen eine gesamte Existenz komplett verkehrt dargestellt werden kann. Nichtsdestotrotz ist eines sicher: Sie ist ein Vorbild, über das viel mehr geredet werden sollte

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