von inna aleeva

Im Rahmen des Projektes „Dance to experience“ begegnen sich Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religion, um Sprachbarrieren gemeinsam im Tanz zu überwinden Im Pfarrzentrum St. Antonius treffen sich jeden Samstag Tanzbegeisterte verschiedenster Herkunft. Sie möchten dort am interkulturellen und interreligiösen Tanzprojekt teilnehmen. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, wichtig ist nur die Freude an der Bewegungskunst und das Mitwirken. Zu Beginn lädt der charismatische Tanzlehrer Milton Camilo die Teilnehmer in einen Kreis ein. In den unterschiedlichen Kulturen steht der Kreis für Gleichheit, Einheit und Harmonie, er schließt alle ein und teilt mit allen. In diesem Kreis stehen Menschen aus Syrien, Iran, Afghanistan und Deutschland. Die Grenzen verschwinden zwischen ihnen. Nach einer Vorstellungsrunde beginnt das Tanzvergnügen. Die Musik erobert den Raum. Der Choreograph gibt den Rhythmus vor, und die Teilnehmer wiederholen die schlichten, aber zugleich geschickten Bewegungen. Zur Musik lernen die Menschen, sich ohne gesprochene Sprache zu verstehen und durch die Körperbewegung und die Sprache des Tanzes auszudrücken.

Integration durch Tanz

Die Musik füllt den Raum, erzeugt positive Stimmungen und bringt alle zusammen. Der Tanz ist eine bewegliche und lebendige Sprache. Er kennt keine Vorurteile und Stereotype, steht für Mitgefühl, Toleranz und eine friedliche Gesellschaft. Die Tanzbewegungen werden von jedem Beteiligten verstanden, unabhängig davon, welche Sprache sie sprechen. Hier haben die Menschen die Möglichkeit, sich auszutauschen und zu äußern. Niemand bleibt abseits stehen, jeder ist willkommen: Tanzinteressierte verschiedenen Alters aus verschiedenen Ländern und mit verschiedenen kulturellen Hintergründen. Unterschiedlich sind auch ihre Schicksale. Manche waren mehrere Jahre lang auf der Flucht, sind durch den Krieg traumatisiert und lernen hier wieder, sich mitzuteilen, auf andere Menschen zuzugehen und keine Angst vor der Begegnung mit anderen zu haben. Das Tanzprojekt fördert das Zusammenleben von Menschen mit Zuwanderungserfahrung und der einheimischen Bevölkerung und vereinfacht den Integrationsprozess.

Während der kurzen Pausen tauschen sich die Teilnehmer in der gemütlichen Atmosphäre am Buffet aus – nicht nur auf Deutsch oder Englisch, sondern auch durch Gestik und Mimik. Die letzte Runde ist der Zeitpunkt der Selbstexpression. Man lässt seinen Körper ohne Zwang und Unterdrückung sprechen, tauscht Energie und Erfahrung mit seinen Mitmenschen. Die Bewegungskraft des Tanzes motiviert, die Hindernisse zu bekämpfen und stärkt das Selbstbewusstsein.

Das Ziel des Projektes ist nicht die ausgezeichnete choreographische Leistung, der Schwerpunkt liegt vielmehr auf der Interaktion, Kommunikation und dem Vertrauen zwischen Menschen. Die heutige Erfahrung ist ein Beweis dafür, dass die Kraft der tänzerischen Sprache die Ängste besiegen und die Menschen zusammenbringen kann.

Milton Camilo ist 1970 in Rio de Janeiro geboren, und lebt seit 1998 in Deutschland. Seit 2007 lebt und arbeitet er als Choreograph, Maler, Tänzer sowie, Tanz- und Kunstpädagoge in Wuppertal. In Kooperation mit der Gemeinde St. Antonius leitet Milton Camilo das interkulturelle Tanz- und Bewegungsprojekt „Dance to experience“.

 

Inna Aleeva, 1990 in Russland geboren, ist seit 2013 Studentin der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft an der Bergischen Universität Wuppertal.

 

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