Mechthild Großmann überzeugt in der Universitätsbibliothek

von janina zogass

Rund 200 Zuschauer und Zuhörer lauschten der Theater- und Filmschauspielerin Mechthild Großmann, als sie vergangenen Donnerstag in der Wuppertaler Universitätsbibliothek Auszüge aus Dorothy Parkers „Eine starke Blondine“ zum Besten gab. Ihre charakteristische Reibeisenstimme war dabei aber nicht das einzige, wodurch sich die 68-Jährige in besonderer Weise hervortat: Unter Einbezug ihrer ganz eigenen eigentümlichen Mimik und Gestik sowie ihres derb-flapsigem Habitus gelang es Großmann, das Publikum dort abzuholen, wo es sich befand – in der Universitätsbibliothek – und die Besucher geradewegs in ein erzähltes New York während der „Goldenen Zwanziger“ zu versetzten. Der dargebotene Stoff von Dorothy Parker ist nicht unbedingt das, was man als Populärliteratur oder papiergewordener Gassenhauer bezeichnen möchte – das weiß auch Mechthild Großmann: „Entweder man liebt es, oder man hasst es“, aber wenn man ehrlich ist, hätte sie an diesem Abend so ziemlich alles lesen können: Tolstoi, Pipi Langstrumpf, die Bibel – egal! Man hört ihr einfach gerne zu. Dorothy Parker (†1967) – eine von Großmanns Lieblingsautorinnen – war eine US-amerikanische Schriftstellerin, Theater- und Literaturkritikerin. In ihren zahlreichen Gedichten, Kurzgeschichten und Theaterstücken versuchte sie nicht selten, einen erbitterten Geschlechterkampf anhand verschieden gezeichneter Frauenfiguren sichtbar zu machen. In einem Interview, durch das die Germanistin und Leiterin der Zentralen Studienberatung Dr. Christine Hummel führte, sprach Großmann über ihre besondere Verbindung zu Wuppertal und über prägende Erfahrungen, die sie unter anderem an der Seite von Pina Bausch am Tanztheater machte. Tapfer und humorvoll stellte sich Großmann den Zuschauerfragen, die bisweilen jeglicher Empathie entbehrten und deren natürliche Folge betretendes Schweigen oder peinliche Beschämung sein mussten. Es stellt sich die Frage, ob man den Künstlern auch bei zukünftigen Veranstaltungen in solch despektierliche Situationen bringen möchte, indem man eine offene Fragerunde ermöglicht. Laura Wolf, Studentin der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft in Wuppertal fasst ihren Eindruck zum Besuch Großmanns an der Universität Wuppertal folgendermaßen zusammen: „Das war ein toller Abend. Mechthild Großmann hat sehr gut gelesen und mich als Mensch beeindruckt. Neben ernsteren Passagen gab es auch viel Gelegenheit zu Lachen. Besonders toll fand ich, wie sie ihre Stimme verstellt hat, um jedem Charakter, egal ob männlich oder weiblich, gerecht zu werden. Das Interview fand ich weitestgehend gelungen und informativ, weil Frau Großmann so offen und authentisch war.“ Mechthild Großmann dürfte vielen als kettenrauchende Staatsanwältin Wilhelmine Klemm aus dem Münsteraner Tatort bekannt. Darüber hinaus hat sie schon in zahlreichen Theater-, Film- und Fernsehproduktionen mitgewirkt.

 

Janina Zogass (25) studiert Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Bergischen Universität Wuppertal.

 

Weiterführende Links:

Mechthild Großmann
Dorothy Parker
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