Wie berichterstatten? Wie richtig informieren?

von wiebke martens

Im Rahmen der Reihe: Über die Welt und Gott haben Prof. Dr. Herrmann und Prof. Dr. Pöttker zum Thema Wie wollen wir leben? die Frage nach Grenzen und Macht der Medien diskutiert.

Die Berichterstattung der Medien, beispielsweise über die Flüchtlingskrise, wurde insbesondere in der letzten Zeit immer wieder Thema vieler Diskussionen. Vorgeworfen wurde den Medien in diesem Fall eine Berichterstattung, die durch Euphorie und Einseitigkeit geprägt war. Eine ähnliche Problematik trat ebenfalls bei der diesjährigen Bundestagswahl auf. Hier stellte sich im Nachhinein die Frage, welchen Einfluss die Medien auf den Erfolg der AFD hatten.

„Haben journalistische Medien in der Migrationsgesellschaft die Aufgabe zur Integration?“ (Prof. Dr. Pöttker)

Am Donnerstagabend befasste sich Prof. Dr. Pöttker, der bis 2013 Inhaber des Lehrstuhls für Theorie und Praxis des Journalismus an der Technischen Universität Dortmund war, mit der Frage, wie Migranten in den Medien dargestellt werden.

Medien berichten über Gegenstände, die die Massen interessieren, die die Aufmerksamkeit der Bevölkerung erregen. Augenscheinlich findet ein Journalist mit negativen Schlagzeilen und solchen, die Stereotypen unterstützen, ein höheres Maß an Aufmerksamkeit, als mit positiven Schlagzeilen. Die Interessen und Vorlieben des Publikums geben also eine bestimmte Richtung vor, die der Journalismus einschlägt.

„Zur interkulturellen Integration können Medien beitragen, sie können sie aber auch behindern und im Extremfall verhindern“ (Prof. Dr. Pöttker)

Die Darstellungsweise in den Medien wird sich laut Pöttker erst ändern, wenn sich die Interessen und die Aufmerksamkeit des Publikums von den negativen und ungewöhnlichen Berichterstattungen auf die normale und positive Berichterstattung verlagern.

Einen Lösungsansatz in Bezug auf die negative Berichterstattung sieht Pöttker darin, Migranten aktiver in die Medien einzubeziehen. Der Anteil der Journalisten mit Migrationshintergrund sei, besonders in den Printmedien, sehr gering. Eine Möglichkeit der negativen und stereotypisierenden Darstellungsweise von Migranten entgegenzuwirken, könnte also das Schaffen von Perspektiven für Migranten in den Medien zu sein.

„Wenn man alle Regeln des Handwerks beachtet und solide arbeitet, kann es trotzdem passieren, dass man beispielsweise Populisten bedient.“ (Prof. Dr. Herrmann)

Um die Frage zu beantworten, wie die Medien Bericht erstatten sollen, geht Frau Prof. Dr. Herrmann, Professorin für Medienwissenschaften an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, vor allem auf die Frage des Kontexts ein.

Sie erklärt, dass auch bei sorgfältiger journalistischer Arbeit populistische Inhalte in den etablierten Medien auftauchen können. Dies geschieht in der Regel, ohne dass die Journalisten dieses bemerken oder beabsichtigen. Die populistischen Inhalte fließen unbemerkt zwischen den Zeilen in die Nachrichten mit ein und werden durch den jeweiligen gesellschaftlichen Kontext vom Publikum verstanden. Fakten stoßen in den meisten Fällen erst dann auf Beachtung, wenn sie in den Kontext hineinpassen.

„Das Publikum versteht aus dem Zusammenhang des gesellschaftlichen Diskurses heraus.“ (Prof. Dr. Herrmann)

Herrmann geht in diesem Zusammenhang auf ein gegenwärtiges Thema ein: die Aufnahme einer hohen Zahl von Geflüchteten in die Bundesrepublik im Jahr 2015. Durch viele Medien sei der Eindruck vermittelt worden, dass der Staat der hohen Zuwanderung nicht gewachsen sei und die Situation ins Chaos umschlagen würde.

Dies muss nicht explizit durch Journalisten in den Medien dargestellt werden. Die Nachrichten trafen auf einen Diskurs, der bereits von dem gesellschaftlichen Kontext geprägt wurde. Hinzu kam, dass die Zuwanderung der Geflüchteten das vorherrschende Thema in den Nachrichten war. Der Eindruck, der so entstand, war der einer mit der Situation überforderten Regierung.

Herrmann macht deutlich, dass sich die Journalisten dem Einfluss des jeweiligen gesellschaftlichen Kontextes auf die Nachrichtenwirkung bewusst sein müssen, um die unbemerkten populistischen Inhalte zu vermeiden.

Die beiden Vorträge, die jeweils einen sehr hohen Anteil an Informationen aufwiesen, endeten in einem gemeinsamen Gespräch mit dem Publikum. Allerdings konnte die zu Beginn gestellte Frage, nach der richtigen Berichterstattung, am Ende des Abends nicht abschließend geklärt werden.

 

Wiebke Martens, studiert seit 2016 den Masterstudiengang Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Bergischen Universität in Wuppertal.

 

Weiterführende Links:

Das Märchen vom überkochenden Brei. Narrative in der medialen Berichterstattung zum Flüchtlingsthema im Herbst 2015. In: Communicatio Socialis (1/2016), 6-20.

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