Bilder einer Syrienreise

von inna aleeva

In den letzten Jahren wird immer häufiger von Syrien gesprochen, vor allem im Kontext des Bürgerkrieges und der Flüchtlingskrise. Kaum jemand denkt heute noch an Syrien als ein schönes und authentisches Land der arabischen Welt. Wie war denn Syrien vor Beginn des Krieges?

Apameia am Orontes © Foto: Michael Schedel

 

Im kleinen Veranstaltungssaal des Bürgerbahnhofs Vohwinkel ist es besonders voll an diesem Dezemberabend 2017. Das Licht ist gedimmt, im Raum herrscht erwartungsfrohe Atmosphäre, der Abend scheint spannend zu werden. Dr. Michael Schedel lädt die Gäste zu einer wundervollen Reise durch Syrien ein. Die aufregenden Geschichten wechseln sich mit Diashows von atemberaubenden Landschaften, faszinierenden Architekturdenkmälern und großen Basarstraßen ab. Begleitet wird das Ganze mit bezaubernder orientalischer Musik. Eindrucksvoll illustrieren Bilder den Vortrag von Dr. Michael Schedel. Zugleich zeigen sie, was unwiederbringlich zerstört ist.

Unser Abenteuer beginnt in der größten Stadt von Syrien − Aleppo. Inmitten der Altstadt Aleppos erhebt sich die majestätische mittelalterliche Zitadelle, die zu den ältesten und größten Festungen der Welt gehört. Die Umayyaden-Moschee ist die bekannteste Moschee von Aleppo und zählt ebenfalls zu den ältesten Bauwerken ihrer Art. Die Besonderheit der Moschee ist der große Innenhof, dessen schwarz-weiße Pflasterung geometrische Muster bildet. Das alte Baron Hotel ist das renommierteste Hotel in Aleppo. Seine denkwürdigen Gäste waren u.a. Charles de Gaulle, Yuri Gagarin und Agatha Christie, die im Zimmer 203 sogar den ersten Teil ihres Romans „Mord im Orient-Express“ geschrieben hat.

Krak des Chevaliers © Foto: Michael Schedel

 

Unser nächstes Reiseziel ist Hama, die Stadt am Ufer des Orontes. Berühmt ist die Stadt vor allem für ihre riesigen Wasserschöpfräder. Von Hama führt uns die Reise weiter nach Homs, die drittgrößte und bedeutende Stadt des Landes.

Schließlich erreichen wir die Hauptstadt von Syrien − Damaskus. Die Altstadt von Damaskus, wo sich die Umayyaden-Moschee und die Ananias-Kirche befinden, ist seit 1979 UNESCO-Weltkulturerbe. Ansprechend für Touristen sind auch die zahlreichen Hamams der Altstadt. Im Nordosten der Altstadt liegt das Christenviertel Bāb Tūmā, wo früher die Christen und Muslime im Frieden nebeneinander lebten.

Wie ist Syrien jetzt?

Ist es (noch) möglich, dieses wunderschöne Land mit reicher Geschichte zu bereisen? Die erste Frage nach der Präsentation von Dr. Schedel regt zum Nachdenken an.

Damals kamen Touristen nach Syrien, um die Burgen und Altertümer, riesige Wüsten, Städte und Basare zu besuchen. Es gab in Syrien sechs UNESCO-Welterbstätten. Im Jahre 2010 zog Syrien sogar mehr Touristen an als Australien. Schon ein Jahr später veränderte sich alles. In Syrien brach der Krieg aus. Zitadelle und Umayyaden-Moschee von Aleppo wurden im gegenwärtigen Krieg schwer beschädigt. Komplette Stadtteile der Stadt Homs wurden zerstört. Fast die Hälfte der Landesbevölkerung von 11,6 Millionen ist auf der Flucht − innerhalb und außerhalb Syriens. Syrien zu bereisen, ist momentan nicht mehr möglich.

Die heutige Veranstaltung hat uns Zuschauer und Zuhörer nachdenklich gestimmt und uns zwei wichtige Aspekte nahe gebracht: Zum einen zeigt uns Dr. Schedel mit seinem Vortrag die Schönheit von Syrien, damit wir sehen, wie das Land vor dem Krieg war. Wir wollen Syrien in Zukunft so sehen, wie die Syrer und die Gäste des Landes es kannten − so, wie es früher war. Zum anderen vermitteln die Bilder die Schmerzen der geflüchteten Menschen, deren Häuser durch den Krieg zerstört wurden, deren Familienmitglieder getötet wurden und deren Schicksale ungewiss sind.

Dr. Michael Schedel und wir alle hoffen, dass in naher Zukunft die Menschen in Syrien wieder in Ruhe und Frieden leben können.

Mädchen im Christendorf Maalula © Foto: Michael Schedel

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Dr. Michael Schedel ist der Leiter der Geografischen Sektion vom Naturwissenschaftlichen Verein Wuppertal e.V., pensionierter Biotechnologe, ehemals beschäftigt bei Bayer, zurzeit engagiert bei der Flüchtlingshilfe Wuppertal-West.

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Inna Aleeva, 1990 in Russland geboren, ist seit 2013 Studentin der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft an der Bergischen Universität Wuppertal.

 

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