Von Sebastian Schulz

Klimawandel nicht nur als Indikator für Umweltkatastrophen, sondern auch als Basis für soziale Ungerechtigkeit. Diesen Zusammenhang sah der amtierende Papst Franziskus schon im Jahr 2015. Denn mit seiner Enzyklika „Laudato Si“ ging das Kirchenoberhaupt der Katholischen Kirche kirchengeschichtlich einen recht neuen Weg und setzte seinen Fokus auf den Zusammenhang zwischen Klimawandel als globales Problem und der wachsenden sozialen Ungerechtigkeit als dessen Folge.

V.l.: Prof. Dr. Hermann Ott (Wuppertal Institut), Dr. Katja Schettler (Katholisches Bildungswerk), Kathrin Schroeder (Misereor), Verena Hermelingmeier (TransZent), Olaf Reitz (Sprecher, Schauspieler, Regisseur), Prof. Dr. Uwe Schneidewind (Präsident Wuppertal Institut). (Bild: Sebastian Schulz).

Nicht ohne Grund war der Zeitpunkt der Veröffentlichung im Mai des genannten Jahres von statten gegangen. Denn zu diesem Zeitpunkt erwartete die Welt den Beginn de Pariser UN-Klimakonferenz. Papst Franziskus kritisierte die reaktionelle Kälte der internationalen Politik bei der Verschlechterung der Lebensqualität in vielen Regionen der Welt, während das Wachstum der Wirtschaftsmächte diesen Umstand billigend in Kauf nimmt.

Doch wie reagierte die Welt auf die Schrift? Welche Rolle nimmt die Kirche nun in einem vermeintlichen Umdenkprozess ein? Diese Fragen versuchte das Podium der ersten diesjährigen Veranstaltung der Reihe „Über die Welt und Gott“ des Katholischen Bildungswerkes Wuppertal/Solingen/Remscheid zu beleuchten. Unter dem Leitmotiv „Klimawandel und Klimagerechtigkeit“ befassten sich Experten mit der Auseinandersetzung globaler Veränderungen und der Rolle der Religionen in diesem Kontext. Die päpstliche Enzyklika als Reaktion des Katholischen Kirchenoberhauptes führte nun zu der Frage, welche Rolle die Kirche in diesem Zusammenhang einnimmt. Auch wenn Umweltbewusstsein kein allzu neues Phänomen unter Teilen der Geistlichkeit darstellt, ist die öffentliche Reaktion besonders nach „Laudato Si“ und vor der Klimakonferenz enorm gewesen. Dabei erklärte schon der amtierende Bischof von Barra in Brasilien „Viver mais com menos“, zu Deutsch: „mehr Leben mit weniger“. Die Worte des Ordensgeistlichen Luís Flávio Cappio stehen maßgeblich für ein Umdenken in der globalen Denkweise, ruft nun jedoch auch die Geistlichkeit zum Dialog mit den Wissenschaften auf.

Prof. Dr. Hermann Ott. (Bild: Sebastian Schulz).

Professor Dr. Hermann E. Ott hat seit 2016 die Honorarprofessur für „Global Sustainability Strategies and Governance“ an der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde inne. Für den Umweltforscher, unter anderem bis 2009 im Berliner Büro des Wuppertal Instituts, war die Rolle der Kirche im Hinblick auf Klima und Umwelt ein sehr neues Themenfeld.

 

Kathrin Schroeder. (Foto: Sebastian Schulz).

Ebenso wie Professer Hermann Ott stellte sich auch Kathrin Schroeder dem Podium zu Verfügung. Als Mitarbeiterin des Bischöflichen Hilfswerkes Misereor kennt sie nämlich die Kehrseiten von materiellem Wachstum in den reichen Industriestaaten. Dabei sprach sie der Welt einen „globalen Werteverlust“ zu. Dass die Veränderungen in globaler Umwelt- und Sozialpolitik nötig sind, mache die Rolle der Kirche umso wichtiger. Denn um „globale Perspektiven einzunehmen“, müsse man laut der studierten Geographin wissen: „was bewegt die Menschen?“. Änderungen von Arbeitswelten, Heimatverlust, Armut oder Perspektivlosigkeit machen die Kirche mehr denn je zu einem wichtigen Seelsorger.

Dass die päpstliche Enzyklika „Laudato Si“ den Gedanken aufgreift, bleibt jedoch keine rein kirchliche Reaktion. Auch der Papst richtet sich nicht ausschließlich an Christen, sondern sieht die Rolle aller Menschen im Fokus. Für Professor Ott liegt auf der Hand, welche Rolle wir einnehmen müssen.

 

Podiumsdiskussion. V.l.: Kathrin Schroeder, Prof. Dr. Hermann Ott, Moderatorin Verena Hermelingmeier. (Bild: Sebastian Schulz).

Die Referenten gewährten einen umgreifenden Einblick in die Umwelt- und Sozialpolitik in Folge von Klimakonferenzen in Paris und zuletzt in Bonn, sowie in die drastischen Folgen für Mensch und Natur. Die Rolle der Kirche bleibt in diesem Kontext jedoch noch Definitionssache. Ein Papst ist nicht die ganze Kirche und Veränderung kommt nicht allein von oben. Kirche als Leitbild oder Akteur? Wie wir leben wollen, müssen wir bald entscheiden oder mit den Folgen leben lernen.

Die Veranstaltungsreihe „Über die Welt und Gott“ setzt sich am 18. April fort. Dabei geht es im Gespräch mit Mitgliedern des Wuppertal Instituts und der Klima-Allianz Deutschland um Perspektiven eines gesellschafts- und umweltverträglichen Kohleausstieges. Nähere Informationen gibt es hier: Über die Welt und Gott_Endstation Kohle_Flyer .

Das Katholische Bildungswerk Wuppertal Solingen Remscheid in Kooperation mit dem Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbH sowie der Katholischen Kirche Wuppertal, der CityKirche Elberfeld (Alte Reformierte Kirche) und mit Unterstützung der GEPA und besonderer Unterstützung der Jackstädt-Stiftung.

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