Von Sebastian Schulz

Wann kommt der Kohleausstieg und welche Schritte werden dahingehend unternommen? Diese Frage stand im Mittelpunkt der zweiten Veranstaltung der insgesamt siebenteiligen Reihe „Weniger ist mehr. Klimawandel und Klimagerechtigkeit“, die das katholische Bildungswerk in Zusammenarbeit mit dem Wuppertal Institut konzipiert hat.

2030 ist ein Option, andere sprechen von 2040 als endgültiges Ausstiegsjahr. Doch die Frage nach einem Kohleausstieg, zunächst in Deutschland, scheitert nicht an den Deadlines, die wohlgemerkt variabel erscheinen. Dass der Kohleausstieg ein nachhaltiger Weg in die Zukunft zu sein scheint, würden viele bestätigen, doch der Weg ist das Problem.

Viele von denen, die mehr Ressourcen und ökonomische oder politische Macht besitzen, scheinen sich vor allem darauf zu konzentrieren, die Probleme zu verschleiern oder ihre Symptome zu verbergen, und sie versuchen nur, einige negative Auswirkungen des Klimawandels zu reduzieren. Viele Symptome zeigen aber an, dass diese Wirkungen jedes Mal schlimmer sein können, wenn wir mit den gegenwärtigen Produktionsmodellen und Konsumgewohnheiten fortfahren“. – Papst Franziskus – Laudato Si, Über die Sorge für das gemeinsame Haus, Kapitel 1, Absatz 26, Rom 2015.

V.l.: Moderatorin Verena Hermelingmeier (TransZent), Benjamin Best (Wuppertal Institut), Antje Grothus (Klima-Allianz Deutschland) im Plenum. (Bild: Sebastian Schulz)

Bei all der oberflächlichen Zustimmung durch Teile der Bevölkerung steht bisher kein festes Konzept für einen geregelten Kohleausstieg fest. Stattdessen rollen Bagger und Gerät weiterhin durch Dörfer und Wälder, um an die letzten Braunkohlereserven zu gelangen. Ein ökologischer Alptraum und gleichzeitig ein gefestigtes Energiekonzept nicht nur hier in Deutschland, sondern auch international. Deswegen ist die Frage, wann der Kohleausstieg kommt, nur noch Fassade. Die realistische Frage ist: wie kommt er und welche Folgen hat das auf das hoch angepriesene Wirtschaftswachstum, was in unserer Welt zwangsläufig mit dem Arbeitsmarkt verbunden ist?

Im Zuge der Kooperation des Katholischen Bildungswerkes Wuppertal Solingen Remscheid und dem Wuppertal Institut entstand mitunter deswegen ein Vortrags- und Diskussionskonzept zum Thema Klimawandel und Klimagerechtigkeit, das sich in die Veranstaltungsreihe „Über die Welt und Gott“ einreiht. Im zweiten Teil stand eine gesellschafts- und umweltverträgliche Energiewende im Fokus. Das Thema Kohleausstieg ist allerdings gerade in NRW ein sensibles Thema.

Das weiß auch Antje Grothus, Koordinatorin Kohlepolitik NRW bei der Klima-Allianz Deutschland.

Antje Grothus (Klima-Allianz Deutschland). (Bild: Sebastian Schulz)

 

NRW und das Kohlerevier sind hier ein gutes Beispiel. Manche Experten schließen nicht aus, dass ein kompletter Umstieg auf erneuerbare Energien einen Ausgleich auf dem Arbeitsmarkt ausschließt. Umschulungsmaßnahmen für Mitarbeiter sind nur ein Bruchteil der allgemeinen Lösung. Die Ideen und Konzepte schwanken deswegen noch zwischen Chancen und Realität.

Benjamin Best vom Wuppertal Institut beschäftigt sich mit dem regionalen Strukturwandel im Sinne einer Postwachstumsökonomie und ihrer Energiepolitik. Seiner Meinung nach ist der Kohleausstieg ein folgenreiches Vorhaben, das besonnene Schritte erfordert.

Benjamin Best (Wuppertal Institut). (Bild: Sebastian Schulz)

 

Der Vortragsabend mit anschließender Diskussionsrunde machte eins klar: Kohleausstieg aber auch Energiewende sind kein wirkliches Problem der öffentlichen Bereitschaft. Eine politische Agenda, sei es durch UN-Klimaabkommen oder durch Vorgaben der Bundesregierung, ist jedoch nur die oft genannte Spitze des Eisberges. Die tatsächliche Problematik ist, dass die Realität von Wirtschaftswachstum, Industrie und Arbeitsmarkt dem nachhaltigen und ökologischen Konzept mehr Schranken als Lösungen weisen. Somit wird die Frage nach dem Kohleausstieg zu einer Grundfrage der Gesellschaft. Wie wollen wir künftig leben?

Die Veranstaltungsreihe wird am 6. Juni mit Dr. Georg Kobiela zum Thema „nachhaltige Ernährung und Landwirtschaft“ fortgesetzt; gleicher Ort, gleiche Zeit: Citykirche, Kirchplatz 1, 42103 Wuppertal um 19 Uhr.

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