Von Sebastian Schulz

Dass die nationale, aber auch globale Landwirtschaftspolitik ihren ökologischen Zenit eigentlich schon überschritten hat, dürfte den meisten Menschen bereits aufgefallen sein. Flächenerschließung anstelle von Aufarbeitung der landwirtschaftlich genutzten Flächen, steigende Emissionen und chemische Überdüngung sind nur einige Merkmale unsere Nahrungsindustrie, was die Frage aufwirft: Wo bleibt das Umdenken?

Schauspielerin Silvia Munzón López bei der Lesung der Papst-Enzyklika „Laudato Si“ (Bild: Sebastian Schulz).

Im Vorfeld der 2015 in Paris stattgefundenen Klimakonferenz verfasste Papst Franziskus die Enzyklika „Laudato Si“. In den Medien galt sie bald als kirchengeschichtliches Umdenken, da sie erstmals auf die Folgen des Klimawandels sowohl für Ökologie als auch sozialer Gerechtigkeit hinwies. Nach der Klimakonferenz in Bonn 2017 und im Hinblick auf die kommende UN-Klimakonferenz in Katowice stellte das Katholische Bildungswerk Wuppertal Solingen Remscheid in Kooperation mit dem Wuppertal Institut die Frage nach Klimawandel und Klimagerechtigkeit. Im Zuge der Vortragsreihe „Über die Welt und Gott“ zeigten Experten auf, welche Herausforderungen in den Punkten soziale Gerechtigkeit, Energiepolitik und zuletzt Ernährung auf uns zukommen.

V.l.: Moderatorin Verena Hermelingmeier, Michael Felstau (Wuppertals urbane Gärten), Ulrich Christenn (Diakonie RWL), Dr. Georg Kobiela (Wuppertal Institut) in der Diskussionsrunde (Bild: Sebastian Schulz).

Beim Punkt Ernährung wird in Wuppertal schon ein Trend sichtbar. Der Umgang mit Ernährung und Lebensmitteln wird zunehmend zu einem Thema der Nachhaltigkeit im Tal. So sahen es auch die Experten an diesem Mittwochabend in der Citykirche Elberfeld. „Wir reden auf einem hohen Niveau, bei dem wir uns keine Sorgen machen müssen, was morgen auf dem Teller liegt“, erklärte Ulrich Christenn von der Diakonie (Arbeitsfeld Brot für die Welt und Katastrophenhilfe), bekannt aus dem Projekt „Aufbruch am Arrenberg“. Der Umgang und die Nähe zu den Produktionswegen mit Lebensmitteln müsse jedoch trotz Genuss mehr im Fokus stehen. Hinzu kommt, dass mit wachsenden, urbanen Lebensräumen auch eine gewisse Entfremdung zwischen Konsument und Lebensmittelerzeugung stattfindet. Ein Trend, dem in den Südhöhen, nämlich auf dem Permakulturhof vorm Eichholz, entgegen gewirkt wird. Michael Felstau von der Kooperation „Wuppertals urbane Gärten“ weiß, dass in Städten wieder eine Nähe zu Eigenanbau entstehen muss: „Wir machen das, was man von den südlichen Ländern fordert, nämlich Versorgungssouveränität zu erreichen“. Das heißt: ökologische Systeme – und sei es nur der kleine urbane Garten – wiederzubeleben anstatt schlicht neue oder mehr Flächen zu bewirtschaften. Denn das ist der Trend in der Landwirtschaft, wie es Dr. Georg Kobiela vom Wuppertal Institut beschreibt.

Dr. Georg Kobiela (Wuppertal Institut) (Bild: Sebastian Schulz).

 

Anstelle von Anreicherung von Humus und damit eine Wiederbelebung von Böden zu erreichen, nutzen wir vor allem Düngung und vermehrte Nutzung von neuen Flächen. Laut Georg Kobiela würden bereits 43% der eis- und wüstenfreien Zonen des Planeten für Landwirtschaft, und davon wiederum zu 87% für die Lebensmittelerzeugung genutzt. Im Fall von Deutschland sorgt diese Art der Nutzung schon für gut ein Drittel der ausgestoßenen Treibhausgase. Doch was ist zu tun?

Tatsächlich machte es aus der Sicht der Zuhörer eher den Eindruck, dass sowohl die Probleme für eine künftige Landwirtschaft als auch die Facetten von Wirtschaft, Gesellschaft und Politik bei diesem Thema vielschichtig sind. Aber die Lösungsansätze stehen noch eher in den Kinderschuhen. Wie die Experten offenlegten, ist der nötige, landwirtschaftliche Wandel bisher nur durch wenige Studien genauer betrachtet worden und Lösungsansätze müssen wohl auch erst andere Hürden nehmen.

 

Schließlich bleibt es wohl weniger ein Problem der technischen Möglichkeiten, eine grundlegende Änderung der landwirtschaftlichen Praxis zu ermöglichen. Denn das Umdenken beginnt unter Umständen schon auf unseren Tellern.

 

Weiterführende Links zum Thema:

Thema „chemiefreier Ackerbau“ in der der Zeit.

Studie der Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften Halle (Saale) zum Thema „Notwendigkeit eines umweltverträglichen Pflanzenschutzes“. Letzte Aktualisierung (28. Mai).

„Avoiding meat and dairy is ’single biggest way‘ to reduce your impact on Earth“ in „The Guardian“, 31. Mai 2018.

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