Von Sebastian Schulz

In Großstädten sind es Trends, die sich schon etabliert zu haben scheinen: Erste Ansätze waren Carsharing-Angebote, aufkommendes Foodsharing, um Nahrungsmittelüberschüsse wertgerecht zu verteilen. All das ist Teil eines Konzeptes, das heute als „Sharing-Economy“ bezeichnet wird. Bei der inzwischen fünften Veranstaltung der Vortrags- und Diskussionsreihe „Über die Welt und Gott“ des Katholischen Bildungswerkes in der Citykirche Elberfeld sollte dieses Phänomen im Kontext von Nachhaltigkeit und Klimagerechtigkeit beleuchtet werden.

Prof. Dr. Karoline Augenstein.

„Warum machen Sie das in Wuppertal?“, zitiert Prof. Dr. Karoline Augenstein in Anlehnung an die Reaktionen von Menschen, die von ihrem Forschungsbereich hören. Die Juniorprofessorin ist Koleiterin des fünfjährigen Forschungsprojektes „UrbanUp“, das sich mit den Potenzialen und der Verbreitung von Sharing-Ansätzen befasst. Wuppertal ist dabei natürlich kein Vergleich mit Metropolen wie Berlin, doch zeigen sich im Tal laut Aussage von Karoline Augenstein interessante Phänomene, die auf lokalen Investitionen und Eigeninitiativen beruhen.

Dass Sharing als Konzept einen Teil in einer nachhaltigen Entwicklung übernehmen kann, läge schon aufgrund planetarer Grenzen und einer sozial gerechteren Gestaltung – vor allem im urbanen Raum – auf der Hand.

 

Prof Dr. Karoline Augenstein während ihres Vortrages in der Citykirche Elberfeld.

Ausgehend von der Auseinandersetzung mit der Umwelt-Enzyklika „Laudato Si“ von Papst Franziskus entstand die Kooperation zwischen dem Katholischen Bildungswerk Wuppertal/Solingen/Remscheid und dem Wuppertal Institut, die gemeinsam das mehrteilige Programm zum Thema Klimawandel und Klimagerechtigkeit verantworten. Dass eine „Sharing-Economy“ im Sinne der adäquaten Ressourcenverwertung dazu gehört, liegt auf der Hand.

In Wuppertal ergeben sich sowohl eher traditionelle als auch zeitgenössische Ansätze. Katja Schneider, stellvertretende Direktorin der Stadtbibliothek Wuppertal , sieht Sharing nicht nur als ein materielles Konzept. Denn trotz des jahrtausendealten Prinzips von Bibliotheken sind diese laut ihrer Aussage eine Option „jedem die Möglichkeit zu geben, nicht abgehängt zu werden“.

Andere Ansätze im Bereich Mobilität vertritt Henrik Hallmann, verantwortlich für „Cambio Carsharing“ in Wuppertal. Im Fall des Carsharings in Wuppertal wird klar, dass jedes Konzept von Sharing eine Anpassung an die Ortsgegebenheiten ist. „Die Bedürfnisse sind schon in den Quartieren sehr speziell“, berichtet Henrik Hallmann. Es sei ein komplett anderes Vorhaben, einen Stellplatz für Autos in Elberfeld oder Barmen zu etablieren als zum Beispiel in Cronenberg. Aus Sharing wird also ein sehr lokal bestimmtes Konzept.

Moderatorin Verena Hermelingmeier, Prof. Dr. Karoline Augenstein (UrbanUp), Katja Schneider (Stadtbibliothek Wuppertal), Henrik Hallmann (Cambio Carsharing) bei der Podiumsdiskussion in der Citykriche Elberfeld.

Die Sharing-Economy gilt in manchen Kreisen als wichtiger Teilaspekt in der allgemeinen Transformationsdebatte. Viele Möglichkeiten des Teilens sind sogar als gängige Konzepte vergangener Generationen bereits bekannt. Doch diese moderne Form des Teilens gerät in der Betrachtung auch zu einer individuellen Angelegenheit. Die einzelne Person sieht sich in ihrem Alltagsverhalten immer zwischen Nachhaltigkeit und Leistungsmöglichkeiten hin und her gerissen. Der Wille zum Eigenbesitz ist nicht immer kongruent zu der Bereitschaft mit anderen zu teilen.

Die Podiumsdiskussion in der Citykirche Elberfeld verdeutlichte die Möglichkeiten und Begründungen für eine Sharing-Economy. Ob sie jedoch aus der Gesellschaft und somit von unten oder administrativ auf Stadtebene und damit von oben entstehen sollte, blieb offen.

 

Die abschließende Veranstaltung der Reihe „Über die Welt unf Gott“ in Zusammenarbeit mit dem Wuppertal Institut findet in diesem Jahr am 20. November statt. Alle Infos dazu finden Sie im Veranstaltungsflyer.

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