Von Inken Busboom

Der Gospelchor Unisono ist in Solingen schon lange bekannt. Spätestens seit ihrer Teilnahme an der Fernsehshow „Der Beste Chor im Westen“ letztes Jahr, in der sie es bis zum Halbfinale schafften, kennen sie viele auch außerhalb der Solinger Grenzen. Und der Chor ist sehr beliebt, wie die enorme Nachfrage nach Karten für die alljährlichen Herbstkonzerte zeigt. Dieses Jahr gab es daher, zusätzlich zu den vier bereits geplanten Konzerten, ein Zusatzkonzert am 16. November 2018 um 19:30 Uhr. Es war ein Abend voller Humor und Witz, aber er war auch geprägt durch emotionale Songs, die die Zuschauer mitgerissen und berührt haben.

Wer ist wer und wer singt was?

Bevor es losgeht, stehen die Zuschauer vor der Evangelischen Kirche Ketzberg und die Stimmung ist ausgelassen und gespannt. Endlich gehen die Türen auf und die Leute nehmen auf den Sitzreihen der kleinen, recht simpel und modern gehaltenen, aber sehr gemütlichen Kirche Platz und schon fängt die Band mit der Musik an. Auf einer weißen Fläche der Kirchenwand wird währenddessen eine Bildershow gezeigt, in der die Chormitglieder alle einzeln mit Bild gezeigt werden. Die Bilder haben einen schwarzen Hintergrund und neben den Personen steht ihr Name und welche Stimme sie singen; ob Bass, Tenor, Alt oder Sopran. Bei manchen Sängern wird außerdem ein kleines Video eingespielt, in dem sie die Frage „Was macht Musik mit dir?“ beantworten. Das Chormitglied, dessen Bild gerade gezeigt wird, geht von hinten über den Mittelgang zwischen den Zuschauern hindurch nach vorne auf die Bühne und die Sänger tragen alle kleine Hippie-Accessoires; manche eine Brille, manche eine Perücke, manche ein Band in den Haaren. Dieser Chor ist sich offensichtlich nicht zu schade ein wenig lustig auszusehen. Und es kommt super bei den Leuten an.

Zitat! Hören Sie nun…

Nach dem ersten Song Let the Sunshine in wird die Hippie-Kleidung abgelegt und die für den Chor typischen bunten Schals für die Frauen und bunten Krawatten für die Männer werden hervorgeholt und um den Hals gelegt. Ansonsten tragen alle schwarze Anziehsachen, sodass sie ein sehr schönes einheitliches Bild abgeben. Dann gibt es eine kleine Begrüßung und ein Geburtstagsständchen des Chors inklusive des Publikums für eines der Chormitglieder. Anschließend kommt etwas, das sich vor jedem neuen Lied wiederholen wird. Eine Sängerin stellt sich nach vorne, sagt „Zitat“, liest das Zitat ab und nennt den Autor und kündigt dann mit den Worten „Hören Sie nun“ den Titel des nächsten Songs an. Die Zitate handeln alle von Musik, das ganze Konzert ist dadurch eine Art Hommage an die Musik. Der Ausruf „Zitat“ kommt so häufig und wird so energisch vorgetragen, dass er bald zum Running-Gag wird und manche Zuschauer schon mitsprechen, wenn es das nächste Mal soweit ist.

Ein Bild aus schwarz mit bunten Akzenten – so kennt man den Gospelchor Unisono (Bild: Inken Busboom).

Von Lollipop, über Somebody to love zu Till I meet you again

Die Songvielfalt des Chors ist unglaublich groß und auch die Tatsache, dass die Anzahl der Sänger auf der Bühne bei den Liedern variiert, trägt dazu bei, dass bei dem Konzert für jeden etwas dabei ist. Vor allem die Performance eines Songs hat es dem Publikum angetan: Lollipop. Hier stehen nur einige Frauen auf der Bühne, die ihre bunten Schals abgelegt und stattdessen rote Accessoires angelegt haben. Sie singen die ersten Takte und während des Refrains geht ein Sänger langsam im Takt der Musik vor der Bühne in die Mitte zum Mikrofon und macht dann an der richtigen Stelle des Lieds ein „Plopp“ ins Mikrofon. Das Publikum lacht bei jedem Mal lauter.

Wer beim Gospelchor Unisono nur religiöse Lieder erwartet, der liegt weit daneben. Es gibt zwar religiöse Lieder, aber auch moderne Songs von heute oder aus dem letzten Jahrhundert, und alle Arten von Liedern passen zum Chor. Der Ort des Konzerts, die Kirche, passt zwar zur Stimmung, aber dennoch kann man sich den Chor auch sehr gut in anderen Settings vorstellen. Sie singen beispielsweise auch jedes Jahr auf dem Kölner Weihnachtsmarkt die unterschiedlichsten Weihnachtslieder. Wer den Chor noch nicht kennt, der könnte überrascht sein, dass ein Gospelchor eine solche Vielfalt in der Songauswahl bietet, aber alle, die den Chor schon einmal gehört und gesehen haben, wissen, dass Unisono Abwechslung bieten. Ich habe auch nicht mitbekommen, dass sich ein Zuschauer an der Songauswahl gestört hat, sondern vielmehr, dass es den Zuschauern gefällt. Die Chorleiterin Elisabeth Szakács schafft es allerdings nicht nur mit der Auswahl der Songs das Publikum mitzureißen, sondern auch mit ihrer eigenen Performance. Wenn man sie während des Konzerts beobachtet, sieht man wie viel Spaß sie hat und wie sehr sie sich in die Arbeit mit dem Chor reinhängt, um eine gute Show abzuliefern. Und meiner Meinung nach ist die Show noch besser als gut, sie ist großartig!

Nach einer wohlverdienten Pause geht es in die zweite Hälfte des Abends, in der das Publikum noch stärker einbezogen wird, indem es zum Beispiel aufstehen und mitklatschen soll oder dazu animiert wird bei einem Lied mitzusingen, von dem der Text auf der Leinwand erscheint. Auch sehr amüsant ist die Performance des Geier-Songs aus dem Dschungelbuch von einigen Männern, die mit Federketten um den Hals und Hühnergeräusche von sich gebend, auf die Bühne kommen. Das Füreinander-da-Sein, das in dem Lied thematisiert wurde, wird auch im nächsten Song Don’t you cry aufgegriffen. Eine Solistin steht vorne mittig vorm Chor und die anderen Sänger legen ihre Hände von hinten auf die Schulter des vor ihnen stehenden Sängers oder der Sängerin, sodass ein Gefühl der Gemeinschaft aufkommt.

Das Ende des Konzerts, welches meiner Meinung nach viel zu früh kam, obwohl es schon eine Zugabe gab, löst bei mir Gänsehaut aus. Es gibt Standing Ovations und die Sänger und Sängerinnen nehmen sich gegenseitig an die Hände und fordern das Publikum auf es ihnen gleich zu tun. Fast das gesamte Publikum folgt der Aufforderung, auch Menschen, die sich nie zuvor begegnet sind. Bei mir kommt ein Gefühl auf, wie ich es sonst meist an Weihnachten verspüre, ein Gefühl der Geborgenheit und Gemeinschaft. Bis Weihnachten ist es schließlich auch nicht mehr lange hin und die Menschen sind, besonders in der Vorweihnachtszeit, emotional ansprechbar. Zum Schluss gehen die Sänger mit Kerzen langsam den Gang entlang nach hinten zum Ausgang, während sie weiter das langsame Lied Till I meet you again singen. Die Zuschauer gehen am Ende dadurch am kompletten, immer noch singenden, Chor vorbei und bekommen an der Tür ein kleines Papierröllchen, auf dem alle Zitate stehen, die an diesem Abend vorgetragen wurden. Eine sehr nette Geste und eine schöne kleine Erinnerung an einen wirklich großartigen Abend. Eine Zuschauerin sagt sie hätte fast geweint, weil sie von dem Lied und der Performance des Chors so ergriffen war. Unisono hat es wirklich geschafft, das Publikum zu begeistern, Hut ab!

Inken Busboom (25) studiert an der Bergischen Universität Wuppertal den Masterstudiengang Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft.

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