Von Inken Busboom

Das Thema Demenz wird von vielen Menschen nicht gerne besprochen. Sowohl Betroffene als auch deren Angehörige wollen sich nicht eingestehen, was mit sich oder ihren Liebsten passiert. Das Theater Fayoum möchte, dass dieses wichtige Thema mit mehr Offenheit betrachtet wird und hat daher ein Theaterstück inszeniert, dass vom Vergessen handelt. Am Donnerstag, den 21. Februar wurde es im Malteserstift St. Antonius in Solingen aufgeführt.

 

Das Restaurant des Malteserstifts St. Antonius, in dem das Theaterstück aufgeführt wird, ist gut besucht und Stühle werden hin und her geschoben, damit auch alle Besucher einen Platz bekommen. Bereits auf den ersten Blick fällt auf, dass der Altersdurchschnitt des Publikums im höheren Bereich liegt. Da es sich bei dem Veranstaltungsort um eine Pflegeeinrichtung für ältere Menschen handelt, ist dies auch nicht verwunderlich. Dennoch ist es schade zu sehen, dass, abgesehen von ein paar Kindern, die sich in die erste Reihe setzen dürfen, ich die einzige in meiner Altersgruppe zu sein scheine. Die Atmosphäre im Saal ist locker und die Menschen, die teilweise an Tischen am Rand des Raums und teilweise auf Stuhlreihen in der Mitte des Raumes vor der aufgebauten Bühne sitzen, unterhalten sich angeregt oder schauen bereits gespannt auf die Bühne, wo die letzten Vorbereitungen laufen.

Pünktlich um 16:30 tritt die Gemeindeassistentin Sabine Otten auf die Bühne, kündigt das Stück an und stellt die beiden Schauspieler vor, die wir heute Abend zu sehen bekommen. Dabei handelt es sich um Tina und Oliver El-Fayoumy vom theater fayoum. Frau Otten spricht auch das Thema Demenz an, um das es in dem Theaterstück geht, und sagt, dass zwar häufig nicht darüber gesprochen wird, es aber dennoch sehr wichtig ist. Je mehr darüber gesprochen wird, umso mehr lernen die Menschen, sowohl junge als auch ältere, mit der Krankheit umzugehen. Tina El-Fayoumy betont, nachdem sie an das Mikrofon getreten ist, dass das Stück daher auch für alle Generationen konzipiert ist.

Den Inhalt des Stücks kann man kurz folgendermaßen zusammenfassen: Der Fuchs (O. El-Fayoumy) ist ein sehr kluger Fuchs und bringt den jungen Füchsen all seine Tricks bei, zum Beispiel wie man den Hunden des Jägers entkommt. Er liebt sein Leben, wird aber, je älter er wird, mehr und mehr verwirrt und vergesslich. Er vergisst Geburtstage oder bringt ein Geschenk mit, obwohl niemand Geburtstag hat. Er schläft in einem Vogelnest, anstatt in seinen eigenen Fuchsbau zu gehen und entkommt dem Hund des Jägers nur noch mit sehr viel Mühe. Der junge Fuchs (T. El-Fayoumy) hilft dem nun alten Fuchs, damit dieser die Freude am Leben nicht verliert und sagt ihm, dass es gar nicht schlimm ist, wenn man im Alter etwas vergisst oder verwirrt ist.

Zu Beginn des Stücks ist der Fuchs stets fröhlich und so clever, dass er den Jäger und seinen Hund austrickst. Fast während des gesamten Stücks wird das Leben des Fuchses und seine Beziehungen zu den anderen Füchsen oder auch dem Jäger auf eine sehr humorvolle Art dargestellt. Mit wenig aufwendigem Bühnenbild wird die Geschichte des Fuchses gezeigt. Ein weißes Kissen stellt ein Huhn dar, eine Leiter einen Baum und ein weißer Federrock verwandelt die Schauspielerin in eine Gans. So schaffen es die beiden Schauspieler, dass die Inszenierung zwar simpel gehalten wird, aber dennoch eine Vielfalt dargeboten wird, die alles vermitteln kann, was die Zuschauer erreichen soll. Außerdem wird das Stück durch musikalische Einlagen unterstützt. Ein Lied handelt beispielsweise davon, was ein Fuchs alles weiß. Am Ende des Stücks stoßen der alte und der junge Fuchs auf das Leben an und singen noch einmal das Lied über das Wissen eines Fuchses. Dieses Mal animieren sie das Publikum dazu, den Refrain gemeinsam mit ihnen zu singen. Es wird zwar nicht sonderlich laut mitgesungen, aber es wird mitgesungen, sowohl von den Kindern in der ersten Reihe, als auch von den älteren Menschen. Auch die Stellen im Stück, die lustig waren, wurden von Groß und Klein mit Lachen belohnt. Das Theaterstück ist also tatsächlich für alle Generationen geeignet.

Das theater fayoum hat es geschafft, das ernste Thema von Demenz und der generellen Vergesslichkeit im Alter auf eine im positivsten Sinne simple und humorvolle Weise darzustellen und dennoch zu vermitteln, dass es gut ist, darüber zu sprechen und es nicht zu ignorieren, auch wenn es für die Betroffenen und deren Angehörige schwierig ist. Nachdem das Stück vorbei ist, können sich die Besucher auf dem Gang vor dem Restaurant noch eine kleine Ausstellung ansehen. An den Wänden hängen Fotos von Menschen mit Demenz, die entweder alleine darauf zu sehen sind oder mit Angehörigen. Diese kleine Ausstellung ist ein schöner Abschluss für einen schönen, lustigen und zum Nachdenken anregenden Abend. Ich habe durch das Theaterstück zwar nichts Neues über Demenz an sich erfahren, doch mir ist deutlich geworden wie wichtig es für Angehörige ist, dass sie den Menschen mit Demenz Verständnis und vor allem Ermutigung entgegenbringen. Die Kinder und Enkel der älteren Generation, die immer größer wird, müssen für ihre Familienangehörigen und Freunde, die krank sind, da sein und sie unterstützen. Auf einigen Bildern, die im Flur an den Wänden hängen, ist genau diese Unterstützung zu sehen. Die Menschen lachen gemeinsam in die Kamera. Aber auch der Ernst der Krankheit wird deutlich, da es auch Fotos gibt, auf denen die Senioren alleine zu sehen sind und ernst in die Kamera schauen. Die Bilder verdeutlichen demnach genau das, was das Theaterstück ebenfalls vermittelt hat: Auf der einen Seite die Bedeutung von Unterstützung und Ermutigung bei Menschen mit Demenz und auf der anderen Seite die Ernsthaftigkeit, die bei dieser Krankheit nicht zu unterschätzen ist.

Weitere Informationen und mögliche Ansprech- oder Austauschpartner für Angehörige von Menschen mit Demenz können auf der Webseite des Demenz-Servicezentrums der Region Bergisches Land gefunden werden. Auch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bietet Informationen und Hilfe rund um Demenz an. Ihr Wegweiser Demenz informiert beispielsweise über den Alltag mit Demenz, über die Pflege und Betreuung demenzkranker Menschen, sowie über den medizinischen Hintergrund der Krankheit.

Inken Busboom (25) studiert an der Bergischen Universität Wuppertal den Masterstudiengang Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft.

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