Von Sebastian Schulz

Prophetisch stehe Papst Franziskus für eine „Theologie, die nicht ausschließt“, so der Fundamentaltheologe Prof. Dr. Jürgen Werbick, über die Schriften und Worte des Papstes redet. Denn bei den zuletzt erschienenen Werken handle es sich um einen Ansatz, den wenige hohe Vertreter der katholischen Kirche und erst recht kein Pontifex in Rom bisher in Betracht gezogen hätten.

Seine Worte treffen oft den Zeitgeist. Papst Franziskus war der erste Papst, der auch die Kirche und deren Mitglieder explizit auf die Folgen von Klimawandel und die daraus resultierende Ungerechtigkeit hinwies. Das geht vor allem auf seine 2015 erschienene Enzyklika „Laudato Si“ im Vorfeld der UN-Klimakonferenz in Paris zurück. Doch dieses Umdenken in kirchlichen Belangen geht oft weit über einen Appell hinaus.

Prof. Dr. Jürgen Werbick (Foto: Sebastian Schulz)

Im Zuge der diesjährigen Septembergespräche in der Klosterkirche in Remscheid-Lennep soll es um Perspektiven gehen, , den Glauben zu lernen. wie Prof. Dr. Jürgen Werbick es sagt, Geradefür Kirchenmenschen seien es derzeit „sehr anstrengende Monate“, wie Prof. Dr. Jürgen Werbick es betont. sagt, Sein Impulsvortrag unter dem Titel „Gottes Schwäche für den Menschen – Zum Gottesverständnis von Papst Franziskus“ machte dabei klar, dass die Theologie, die das katholische Kirchenoberhaupt vertritt, vor allem als die „Schöpfung selbst als Teilnehmen Gottes“ zu betrachten ist.

Die Brisanz der päpstlichen Schriften in ihrer glaubensrelevanten Konsequenz kamen an diesem Abend gerade in der sich an den Vortrag anschließenden Diskussion zum Ausdruck. Zwar machte Prof. Dr. Jürgen Werbick deutlich, dass Gott zu ehren bzw. zu finden heißen muss, die Schöpfung wie sie ist, zu ehren. Jedoch steht das im Kontrast mit der Akzeptanz diverser Lebenseinstellungen, die oft von konservativen Kräften der Kirche – nicht selten in hoher Position – ausgeschlossen werden. Lustempfinden, alternative Familienbilder oder Homosexualität sind beispielhafte Tabuthemen, die bisher wenig ergebnisoffen zur Debatte standen. Das Resultat ist eine Aufteilung in zugehörig oder ausgeschlossen. Häufig sei zu hören: „Wenn man daran rühre, breche alles und das Zentrale zusammen“. Prof. Dr. Jürgen Werbick meinte jedoch, dass diese Sicht auf die Theologie von der Realität langsam überholt sei und zukünftig realitätsbezogene Wege zu finden seien. Bei der Neujustierung müsse jedoch beachtet werden, dass Papst Franziskus jedoch nicht nur als Prophet, sondern auch gleichzeitig Kirchenoberhaupt agiere.

Doch konzentriere sich Papst Franziskus nicht allein auf die Kirche, sondern erkenne eine allgemeine gesellschaftliche Entwicklung. Das verhängnisvolle Resultat sei eine Aufteilung in zugehörig oder ausgeschlossen, wie erin Evangelii gaudium 53 verdeutlicht: „Mit Ausschließung ist die Zugehörigkeit zu der Gesellschaft, in der man lebt, an ihrer Wurzel getroffen, denn durch sie befindet man sich nicht in der Unterschicht, am Rande oder gehört zu den Machtlosen, sondern steht draußen. Die Ausgeschlossenen sind nicht ‚Ausgebeutete‘, sondern Müll, ‚Abfall‘““.

Warum sich also nicht den Zeiten anpassen? „Warum diese Berührungsängste?“ hieß es bei der Auftaktveranstaltung der Septembergespräche. Dieser Papst sehe sich mit seinem neuen, theologischen Ansatz einer großen Gruppe von Theologen mit einer starren Sicht, die laut Prof. Dr. Jürgen Werbick eher von den eigentlich zentralen Eigenschaften der Kirche weg führt, konfrontiert. In der Diskussion macht er Mut, die Spiritualität und Theologie von Papst Franziskus, einzuladen und nicht auszuschließen, auch für den eigenen Glaubensvollzug zu entdecken und anzunehmen.

 


Die Septembergespräche in der Klosterkirche in Remscheid Lennep sind seit über 20 Jahren eine Veranstaltungsreihe der Katholischen Kirche Remscheid in Zusammenarbeit mit dem Katholischen Bildungswerk Wuppertal/Solingen/Remscheid. Die zweite Veranstaltung der Reihe findet am 11. September um 19 Uhr in der Klostergasse 8 statt. Thema an diesem Abend: Die Gründerin und Vorsitzende von SOLWODI e.V. in Deutschland,Sr. Dr. Lea Ackermann, referiert zum Thema „Sexuelle Ausbeutung von Frauen und Mädchen in Deutschland“. Der Eintritt ist frei.

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