Von Sebastian Schulz

Der Wohlstand ist eine beiläufige Konstante. Zu dieser Erkenntnis könnte der Leser oder Zuhörer bei den neuesten literarischen Werken von Alexander Schimmelbusch, John Ironmonger und Ulrich Peltzer gelangen. Teilweise bewusst und unbewusst nehmen die Protagonisten aus den Romanen der Autoren die Zwiespältigkeit ihrer eigenen Lebensweise wahr, um zur Erkenntnis zu gelangen, dass ihr gewohntes Leben eine Dystopie der Menschheit sein könnte. Eine Entwicklung, die das katholische Bildungswerk Wuppertal / Solingen / Remscheid in der zweiten Veranstaltungsreihe von „Über die Welt und Gott“ 2019 aufgreifen will.

Die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts erlebt Umbrüche, die politisch, wirtschaftlich und ökologisch die nächsten Generationen prägen werden. Globalisierung im Kontext mit der Digitalisierung des privaten und öffentlichen Lebens prägt vermehrt das eigene Verständnis von Wohlstand. Die damit einher gehenden Strukturen von Marktanalysen und Investments erscheinen daher schon normal. Der Autor Alexander Schimmelbusch – selbst als Investmentbanker tätig gewesen – bringt das in seinem 2018 erschienenen Werk „Hochdeutschland“ auf den Punkt, wenn er seinen Protagonisten und Investmentbanker erkennen lässt, dass sein Geld sich ohne sein Zutun vermehrt, während beispielsweise Krankenpfleger für eine wichtige Arbeit bedeutend weniger haben.

John Ironmonger geht mit seinem Werk „Der Wal und das Ende der Welt“ sogar noch einen Schritt weiter, indem er die katastrophalen Auswirkungen einer wirtschaftlichen Wachstumswut nach der zu prognostizierten Ausschöpfung der natürlichen Ressourcen und Kapazitäten unseres Planeten hervorhebt.

Letztendlich versucht Autor Ullrich Peltzer mit „Das bessere Leben“ bereits die eigene Wahrnehmung eines wachstumsorientierten Menschen von sich selbst in Frage zu stellen.

Die erste Veranstaltung der Reihe „Über die Welt und Gott“ im zweiten Halbjahr 2019 startete dementsprechend ernüchternd mit einer Lesung der drei Werke. Die Inhalte wirken fremd und das nicht nur, weil die Protagonisten einen definitiv anderen Lebensstandard haben als der Normalbürger, sondern auch, weil der Einblick in die Welt der Hochfinanz – wenn auch fiktiv – eine deprimierend nüchterne Bilanz für die Menschheit sein kann.

V.l.: Maresa Lühle, Konstantin Rickert (Bild: Sebastian Schulz)

Die Schauspieler Maresa Lühle und Konstantin Rickert schafften es durch das Einfangen der nüchternen, literarischen Stimmung einen noch eindringlicheren Effekt zu erzielen. In der Auswahl dieser doch recht dystopischen Werke sehen beide einen Ursprung dessen, was Auswirkungen auf Politik, Gesellschaft und letztendlich auch Klimawandel haben kann und wird.

Maresa Lühle im Interview (O-Ton)

Nimmt man die möglichen Auswirkungen einer maßlosen Wachstumswirtschaft in den Blick, sind die Auswirkungen kaum zu leugnen. Die Romane von Alexander Schimmelbusch, John Ironmonger und Ulrich Peltzer machen jedoch auch klar, dass die Frage, ob Wohlstand so zu funktionieren hat, letztendlich auch zu einer sehr persönlichen Frage wird, wie Konstantin Rickert es auslegt.

Konstantin Rickert im Interview (O-Ton)

Der Zeitgeist erscheint dystopisch. Zumindest rückt die zeitgenössische Literatur den aktuellen Umstand der Maßlosigkeit und deren Folgen auf eine Art in den Vordergrund, dass sowohl Protagonisten als auch Leser eher in Melancholie als in Hoffnung verfallen. Die Erkenntnis ist dabei noch eher für den Normalbürger als für einen reichen Investmentbanker, dass die Umbrüche kommen und eine Abwendung der schlimmsten Konsequenzen nur der Verzicht sein wird.

Die Reihe „Über die Welt und Gott“ setzt sich am 4. November fort. Ab 19 Uhr liest der Physiker Timo Daum aus seinem Werk „Die künstliche Intelligenz des Kapitals“ und hebt dabei auch die Rolle von künstlicher Intelligenz in einer digitalisierten Ökonomie hervor. Ort des Geschehens ist die Buchhandlung von Mackensen, Friedrich-Ebert-Straße/Ecke Laurentiusstraße 12 (Eintritt: 5 Euro). Eine Veranstaltung des Katholischen Bildungswerkes Wuppertal/Solingen/Remscheid in Kooperation mit der Buchhandlung von Mackensen.


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